Wie Sie als Führungskraft echte Wertschätzung ausdrucken

Andreas C. Fürsattel • 7. Januar 2025

Wertschätzung in der Führung bedeutet, Mitarbeitende als Menschen wahrzunehmen und ihnen Respekt, Aufmerksamkeit und echtes Interesse entgegenzubringen. Sie zeigt sich durch konkrete Anerkennung, aktives Zuhören, Vertrauen und ein Verhalten, das die Person nicht allein über ihre Leistung bewertet.

Jeder Mensch wünscht sich Wertschätzung und Anerkennung. Wenn wir spüren, dass andere uns und unsere Leistungen als wertvoll wahrnehmen, steigert das unsere Motivation, unser Engagement und unsere Leistungsbereitschaft.


Gerade im beruflichen Umfeld hat Wertschätzung einen enormen Einfluss darauf, wie Menschen ihre Arbeit erleben und wie stark sie sich mit ihrem Unternehmen identifizieren.


Viele Führungskräfte wissen  um die Bedeutung von Wertschätzung und bemühen sich, ihre Mitarbeitenden regelmäßig zu loben. Trotzdem entsteht häufig der Eindruck, dass diese gut gemeinten Worte nicht die gewünschte Wirkung erzielen.


Woran liegt das?


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • Warum Lob und Wertschätzung nicht dasselbe sind
  • Weshalb gut gemeinte Worte manchmal wirkungslos bleiben
  • Wie Sie echte Wertschätzung glaubwürdig ausdrücken
  • Wie Sie damit Motivation, Vertrauen und Zusammenarbeit nachhaltig fördern


Wenn Sie Menschen führen, beeinflusst Ihre Haltung täglich die Leistungsbereitschaft und das Wohlbefinden Ihres Teams. Umso wichtiger ist es, Wertschätzung bewusst und authentisch zu leben.

Lob und Wertschätzung: Wo liegt der Unterschied?

Im Alltag werden die Begriffe Lob, Anerkennung und Wertschätzung oft synonym verwendet. Tatsächlich beschreiben sie jedoch unterschiedliche Dinge.

Schaubild zum Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung in der Führung. Lob bezieht sich auf konkrete Leistungen oder Verhalten, Wertschätzung auf die Person, ihre Haltung und ihren Beitrag.

Ein Lob bezieht sich auf ein Verhalten oder auf eine Leistung

Lob und Anerkennung richten sich auf eine konkrete Handlung oder ein bestimmtes Ergebnis. Sie sollten zeitnah, ehrlich und nachvollziehbar ausgesprochen werden.


Besonders wichtig: Der Mitarbeitende sollte das gelobte Verhalten als etwas Besonderes wahrnehmen. Wird dagegen eine Selbstverständlichkeit hervorgehoben, wirkt das Lob schnell künstlich oder sogar herablassend.


Wirksames Lob ist:

  • konkret
  • glaubwürdig
  • zeitnah
  • persönlich ausgesprochen
  • auf Verhalten oder Leistung bezogen

Praxistipp für Lob und Anerkennung

Reflektieren Sie regelmäßig Ihr Führungsverhalten.


Eine einfache Strichliste kann dabei helfen:

  • Wen haben Sie in den vergangenen Wochen gelobt?
  • Was war der konkrete Anlass?
  • Wie hat die Person darauf reagiert?
  • Welche Wirkung konnten Sie beobachten?


Diese kurze Selbstreflexion macht sichtbar, wie bewusst Sie Anerkennung im Führungsalltag einsetzen.


Lob und Anerkennung sind wichtige Bestandteile guter Führung. Wertschätzung geht noch einen entscheidenden Schritt weiter.

Wertschätzung ist eine Frage der Haltung

Wertschätzung bezieht sich nicht auf eine einzelne Leistung, sondern auf den Menschen als Ganzes. Sie basiert auf Respekt, ehrlichem Interesse, Aufmerksamkeit und Wohlwollen.


Menschen nehmen sehr schnell wahr, ob diese Haltung authentisch ist oder lediglich aus Höflichkeit gezeigt wird. Deshalb lässt sich echte Wertschätzung auch nicht durch einzelne Techniken ersetzen.


Für Führungskräfte liegt hier eine besondere Herausforderung: Die Arbeitswelt ist stark leistungsorientiert. Wertschätzung hingegen richtet den Blick auf den Menschen hinter der Leistung. Sie signalisiert: „Sie sind nicht nur wegen Ihrer Ergebnisse wichtig, sondern als Person."

Warum ist Wertschätzung ein wirksames Führungsinstrument?

Wie relevant Anerkennung für die Mitarbeiterbindung sein kann, zeigt eine Längsschnittuntersuchung von Gallup und Workhuman. Dabei wurden die Karrieren von mehr als 3.400 Beschäftigten über einen Zeitraum von zwei Jahren verfolgt. Das Ergebnis: Mitarbeitende, die qualitativ hochwertige Anerkennung erhielten, waren 45 % weniger wahrscheinlich aus dem Unternehmen ausgeschieden als Beschäftigte, die diese Form der Wertschätzung nicht erlebt hatten. Die Autoren sehen darin einen deutlichen Zusammenhang zwischen gelebter Anerkennung und langfristiger Mitarbeiterbindung.


Auch der Gallup Engagement Index Deutschland 2025 unterstreicht die Bedeutung wertschätzender Führung. Die Studie zeigt, dass emotional hoch gebundene Mitarbeitende deutlich produktiver sind, seltener fehlen und dem Unternehmen länger treu bleiben. Gleichzeitig bezeichnet Gallup Führung als den „entscheidenden Engpassfaktor“, wenn es darum geht, emotionale Bindung, Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu stärken.Wertschätzung ist weit mehr als eine freundliche Geste. Sie wirkt sich unmittelbar auf die Zusammenarbeit und das Engagement Ihrer Mitarbeitenden aus.


Eine wertschätzende Führungskultur fördert:

  • Loyalität und Mitarbeiterbindung
  • Vertrauen zwischen Führungskraft und Team
  • Eigenmotivation und Leistungsbereitschaft
  • Resilienz in schwierigen Situationen
  • ein positives Arbeitsklima
  • die Reduzierung vermeidbarer Fehlzeiten


Kurz gesagt: Wertschätzung schafft die emotionale Grundlage für nachhaltigen Erfolg.

Wertschätzung ausdrücken mit der BGB-Regel

Angelehnt an die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg lassen sich Lob und Wertschätzung konkret formulieren. BEITRAINING® fasst dafür drei Elemente als BGB-Regel zusammen: Beobachtung, Gefühl und Bedürfnis.

  • 1. B wie Beobachtung

    Was haben Sie konkret wahrgenommen? 

    Was genau ist Ihnen aufgefallen?


  • 2. G wie Gefühle

    Welche angenehmen Gefühle hat das Beobachtete bei Ihnen ausgelöst? 


    Waren Sie erfreut, dankbar, zufrieden, begeistert, bestätigt, motiviert, erleichtert, stolz oder beruhigt? 

  • 3. B wie Bedürfnisse

    Welche Bedürfnisse wurden dadurch bei Ihnen erfüllt? 

    Welchen Nutzen haben Sie daraus gezogen? 


    Dabei kann es beispielsweise um folgende Bedürfnisse gehen:

    • Sicherheit

    • Vertrauen

    • Entlastung

    • Zeitgewinn

    • Verbesserung

    • Unterstützung

Alle drei Elemente zusammen machen Wertschätzung konkret, nachvollziehbar und glaubwürdig.

Die BGB-Regel auf einen Blick

Die BGB-Regel in der Praxis anhand von Beispielen

Beispiel 1: Vorausschauendes Handeln

Ein Mitarbeiter erstellt nicht nur den gewünschten Jahresvergleich, sondern analysiert zusätzlich die wichtigsten Veränderungen und ergänzt eine aussagekräftige Grafik.

So könnten Sie sich bedanken:

„Herr X, mir ist aufgefallen, dass Sie die Auswertung nicht nur erstellt, sondern zusätzlich die wichtigsten Veränderungen analysiert und grafisch aufbereitet haben. Darüber freue ich mich sehr. Ihre Vorarbeit ermöglicht es mir, die Ergebnisse direkt für die Vorstandssitzung zu nutzen. Das spart mir viel Zeit und zeigt Ihre vorausschauende Arbeitsweise. Vielen Dank dafür."


Beispiel 2: Konstruktive Zusammenarbeit

Zwei Mitarbeiterinnen, die in der Vergangenheit häufiger Konflikte hatten, lösen gemeinsam erfolgreich eine anspruchsvolle Aufgabe.

So könnten Sie reagieren:

„Ich habe beobachtet, wie konstruktiv Sie beide heute zusammengearbeitet haben. Das freut mich sehr. Mir ist ein respektvolles und unterstützendes Miteinander besonders wichtig. Deshalb weiß ich Ihre Zusammenarbeit und Ihren Einsatz für ein gutes Teamklima sehr zu schätzen. So kann es weitergehen!"

Auch Ihre Körpersprache zählt!

Worte wirken besonders dann glaubwürdig, wenn Ihre Körpersprache die Botschaft unterstützt.


Achten Sie deshalb auf:


Gerade kleine nonverbale Signale zeigen oft mehr Wertschätzung als viele Worte.

Drei einfache Wege, Wertschätzung im Alltag zu zeigen

  • 1. Zeigen Sie ehrliches Interesse

    Stellen Sie Fragen und hören Sie aufmerksam zu.


    Zum Beispiel:


    Wie sind Sie auf diese Lösung gekommen?


    Was hat Ihnen dabei besonders geholfen?


    Was würden Sie beim nächsten Mal genauso machen?


    Was würden Sie ändern?


    Welche Tipps können Sie weitergeben?


    Solche Fragen vermitteln Interesse an der Person und nicht nur am Ergebnis.

  • 2. Setzen Sie kleine Zeichen der Dankbarkeit

    Wertschätzung muss nicht teuer sein.

    Ein handgeschriebener Dank, ein gemeinsamer Kaffee, ein Gutschein oder ein freier Nachmittag können starke Signale der Anerkennung sein.

    Entscheidend ist nicht der materielle Wert, sondern die persönliche Bedeutung.


  • 3. Schenken Sie Vertrauen

    Vertrauen ist eine der stärksten Formen von Wertschätzung.


    Wenn Sie Mitarbeitenden Verantwortung übertragen, Freiräume gewähren und auf Mikromanagement verzichten, senden Sie eine klare Botschaft:

    „Ich traue Ihnen zu, diese Aufgabe erfolgreich zu bewältigen."

    "Ich glaube an Sie und Ihre Fähigkeiten."


Wenn Wertschätzung nicht ankommt

Trotz bester Absichten kann es vorkommen, dass Wertschätzung ihre Wirkung verfehlt.


Stellen Sie sich folgende 2 Fragen:


  • War Ihre Anerkennung wirklich ehrlich? Menschen spüren sehr schnell, ob Wertschätzung authentisch gemeint ist oder lediglich der Manipulation dient.
    Der US-amerikanische Autor Dale Carnegie brachte es treffend auf den Punkt:

    „Schmeichelei kommt aus den Zähnen. Herzliche Wertschätzung kommt aus dem Herzen."


  • Haben Sie sich ausreichend Zeit genommen? Echte Wertschätzung braucht Ihre volle Aufmerksamkeit. Ein persönliches Gespräch bei einem Kaffee oder ein gemeinsamer Spaziergang in der Mittagspause wirken stärker als ein kurzes Lob zwischen Tür und Angel.

Wie ausgeprägt ist das Selbstwertgefühl Ihrer Mitarbeitenden?

Manche Menschen reagieren verlegen auf Lob und Anerkennung oder spielen ihre Leistung herunter. Häufig liegt das daran, dass sie nicht gewohnt sind, positive Rückmeldungen selbstbewusst anzunehmen.


Ermutigen Sie solche Mitarbeitenden dazu, Lob anzunehmen und ihre eigene Leistung anzuerkennen.

Ein einfaches „Danke, das freut mich." ist die beste Antwort auf ein Lob.

Fazit: Wertschätzung beginnt bei Ihrer Haltung

Wertschätzung ist keine Technik und kein Führungstrick. Sie beginnt mit Ihrer inneren Haltung gegenüber den Menschen, mit denen Sie arbeiten.


Lob motiviert für den Moment. Wertschätzung stärkt Menschen langfristig. Wenn Ihre Mitarbeitenden spüren, dass Sie sie als Person sehen und anerkennen, schaffen Sie Vertrauen, fördern Eigenverantwortung und legen den Grundstein für eine leistungsstarke und menschliche Unternehmenskultur.


Denn am Ende erinnern sich Menschen oft weniger an das, was Sie gesagt haben, sondern vielmehr daran, wie sie sich durch Sie gefühlt haben.

Wir beantworten die häufigsten Fragen von Führungskräften zum Thema "Wertschätzung"

  • Was ist der Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung?

    Lob bezieht sich meist auf eine konkrete Leistung oder ein bestimmtes Verhalten. Wertschätzung geht darüber hinaus und beschreibt eine grundlegende Haltung gegenüber einem Menschen. Sie zeigt sich durch Respekt, Interesse, Aufmerksamkeit und die Anerkennung der Person unabhängig von einer einzelnen Leistung.

  • Wie können Führungskräfte Wertschätzung im Arbeitsalltag zeigen?

    Führungskräfte zeigen Wertschätzung, indem sie aufmerksam zuhören, konkrete Beiträge wahrnehmen, Anerkennung zeitnah aussprechen, Vertrauen schenken und Mitarbeitende ernsthaft in Gespräche und Entscheidungen einbeziehen. Entscheidend ist, dass Worte und tatsächliches Führungsverhalten zusammenpassen.

  • Wie lobt man Mitarbeitende richtig?

    Wirksames Lob ist konkret, ehrlich, zeitnah und persönlich. Benennen Sie, welches Verhalten oder welche Leistung Sie wahrgenommen haben, welche Gefühle dies bei Ihnen weckt und warum die Leistung für das Team oder das Unternehmen hilfreich ist. Vermeiden Sie pauschale Aussagen und verbinden Sie ein Lob nicht direkt mit Kritik.

  • Warum ist Wertschätzung für die Mitarbeiterbindung wichtig?

    Anerkennung gehört zu den Faktoren, die beeinflussen, wie verbunden sich Mitarbeitende mit ihrem Arbeitgeber fühlen. Eine Gallup-Workhuman-Längsschnittstudie zeigte, dass gut anerkannte Beschäftigte über zwei Jahre deutlich seltener das Unternehmen wechselten.

  • Wie kann eine Führungskraft Wertschätzung formulieren?

    Beschreiben Sie zuerst konkret, was Sie beobachtet haben. Benennen Sie anschließend, was dieses Verhalten bei Ihnen ausgelöst hat und welches Bedürfnis oder welcher wichtige Nutzen für die Zusammenarbeit damit erfüllt wurde. So entsteht eine nachvollziehbare persönliche Rückmeldung statt eines allgemeinen „Gut gemacht“. Dieses Prinzip lehnt sich an Rosenbergs Ansatz zur gewaltfreien Kommunikation an.

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