Macht und Führung: 7 Instrumente der Macht

Birgit Mauroner • 29. Juni 2026

Macht und Führung stehen in einem engen Zusammenhang. Führungskräfte haben verschiedene Instrumente der Macht in der Hand, die sie je nach Situation einsetzen können, um die Ziele des Unternehmens durchsetzen zu können. Macht birgt jedoch auch Risiken wie etwa einen schleichenden Machtmissbrauch. Oft wird beim Einsatz von Macht mit guter Absicht gehandelt. Doch gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, was leicht zu einer Eskalationslinie führt. 


In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit den 7 Instrumenten der Macht. Weiterhin beleuchten wir die Frühsignale fehlgeleiteter Macht und geben Tipps, wie Sie sich vor Machtmissbrauch schützen können. Zunächst einige Grundlagen zur Definition von Macht.

Definition: Was ist Macht?

Macht bezeichnet ein Abhängigkeits- oder Überlegenheitsverhältnis. Sie ermöglicht dem Machthabenden, ohne Zustimmung, gegen den Willen oder trotz des Widerstands anderer die eigenen Ziele durchzusetzen und zu verwirklichen. (Definition nach Max Weber) 


Das Streben nach Macht ist ein menschliches Bedürfnis, denn wer Macht besitzt, kann Dinge in seinem Sinne bewegen und Entscheidungen durchsetzen. 


Macht kann jedoch nicht nur von Personen, sondern auch von Gruppen, Institutionen oder Organisationen ausgeübt werden. Letztlich finden wir Machtverhältnisse in allen Lebensbereichen wieder: in Politik, Parteien, Verbänden, Vereinen, Unternehmen, Schulen und Familien. Macht spielt daher in vielen Beziehungsgefügen eine Rolle und beeinflusst die Entscheidungen und Ergebnisse.

Ist Macht gut oder schlecht?

Macht hat mitunter einen schlechten Ruf. Man denkt an Überlegenheit und Unterordnung, Herrschaft und Dienerschaft. 


Doch Macht ist an sich weder gut noch schlecht. Die Beurteilung von Macht hängt im Kern davon ab, wie sie eingesetzt und gelebt wird. Sie kann als negative, zerstörerische oder als positive, gestalterische, schützende Kraft genutzt werden. 


Ein naheliegendes Beispiel ist Kindererziehung. Eltern setzen Macht ein, um Schaden vom Kind abzuwenden, indem sie es zum Beispiel mit Macht von der Straße wegziehen, wenn ein Auto kommt. Sie können ihre Macht jedoch auch negativ gebrauchen und dem Kind damit Schaden zufügen.

Macht und Führung: Brauchen Führungskräfte Macht?

Macht ist ein Bestandteil der Unternehmensführung. Führungskräfte bekommen Macht verliehen, um die Ziele ihres Unternehmens, Bereichs oder Teams erreichen zu können. Macht ermöglicht ihnen, sich gegenüber anderen durchzusetzen und handlungsfähig zu sein.


Macht eröffnet den Führungskräften Gestaltungsspielräume. Oft sind es diese Gestaltungsspielräume, die Menschen motivieren, Führungspositionen anzustreben. 


Dieser Macht sollten sich Führungskräfte stets bewusst sein. Entscheidend ist, wie und mit welcher Absicht sie mit der Macht umgehen und diese nutzen. Denn Macht beruht auf Wechselseitigkeit. Machthabende und Untergebene beeinflussen sich gegenseitig und tragen damit direkt oder indirekt zur Machtentstehung und zur Machterhaltung bei.

Macht und Führung: 7 Instrumente der Macht

1. Macht durch Position

Diese Macht ist eine Art „Amtsautorität“. Sie ist umso größer, je höher die hierarchische Position des Machtinhabers im Unternehmen ist. Damit einher geht meist auch eine Entscheidungskompetenz. 

Diese Machtform spiegelt sich in Unternehmen oft auch in äußeren Anzeichen wider, z.B. in der Größe und Ausstattung des Büros oder des Dienstwagens. 


Macht durch Positionen funktioniert auf Grundlage anerkannter Verhaltensnormen. Die Position der Vorgesetzten wird von den Mitarbeitenden akzeptiert und damit auch deren Entscheidungen und Anweisungen. Das Direktionsrecht und die disziplinarische Führungsrolle sind an diese Machtform geknüpft.


Wenn Führungskräfte Arbeitsanweisungen geben und Aufgaben delegieren, wenn sie Entscheidungen treffen und Prioritäten setzen, nutzen sie ihre Macht durch Position. 


Tipp:

Machen Sie sich bewusst: Diese Macht haben Sie auf Zeit verliehen bekommen. Sie ist an Ihre Position gebunden, doch in dieser schnelllebigen Welt können sich die Verhältnisse schnell ändern. 

2. Macht durch Belohnung

Bei diesem Machtinstrument sind sich Menschen bewusst, dass eine andere Person die Macht hat, ihnen Vorteile zu verschaffen. Im Unternehmensumfeld können Führungskräfte dieses Machtinstrument durch verschiedene Maßnahmen einsetzen, z.B. durch Beförderungen, Gehaltserhöhungen, Zusatzleistungen, Prämien und Boni oder die Erlaubnis für flexibles Arbeiten oder Fortbildungsmaßnahmen. Auch Lob und Anerkennung aktivieren das Belohnungssystem.


Tipp:

Sie sollten wissen, welche Bedürfnisse, Erwartungen und Wünsche Ihre Mitarbeitenden haben, damit Belohnungen auch als solche erkannt und geschätzt werden.

3. Macht durch Bestrafung

Dieses Machtinstrument basiert auf der Möglichkeit, Menschen mit Strafen zu drohen und Strafen auch zu verhängen, wenn Regeln und Anweisungen nicht befolgt werden. Um eine Bestrafung zu vermeiden, handelt der Mitarbeitende entweder im Sinne des Vor-gesetzten oder muss die Konsequenzen in Kauf nehmen. 


Beispiele für Macht durch Bestrafung sind verstärkte Kontrollen, Missachtung, Abmahnungen oder Kündigungen. 


Tipp:

Nutzen Sie Sanktionsmöglichkeiten so wenig wie möglich. Ein „Zurück“ ist unmöglich.

4. Macht durch Wissen und Können

Diese Macht leitet sich im Arbeitsleben aus Fachwissen, Können und Sachverstand ab. Die Führungskraft beeindruckt, weil sie auf Erfahrungen und profunde Kenntnisse zurückgreifen kann, die sie zum Experten, Ratgeber und dadurch zur Respektsperson machen. 


Tipp:

Dieses Instrument ist sehr mächtig, doch es birgt auch ein paar Risiken: Besserwisserei oder Micromanagement können dazu führen, dass das Machtinstrument von anderen nicht akzeptiert wird. Außerdem kann das eigene Fachwissen auch irgendwann überholt sein.

5. Macht durch Information

Durch die Zugehörigkeit zur Unternehmensleitung erhalten Führungskräfte früher und detaillierter Zugang zu wichtigen Informationen. Dadurch können sie ihre Mitarbeitenden mit relevanten Informationen versorgen oder sie ihnen auch vorenthalten. Durch ihren Informationsvorsprung können sie so Einfluss auf das Verhalten und auf die Leistungen anderer nehmen. 


Diese Machtform kann sehr effektiv sein, denn sie kann sowohl konstruktiv als auch destruktiv genutzt werden. Wer seine Mitarbeitenden gut informiert, hilft ihnen vorausschauend zu agieren, Fehler zu vermeiden und schafft Vertrauen. 


Wer hingegen wenig oder schlecht informiert, grenzt aus und riskiert Missverständnisse, Fehler, Spekulationen und Frustration.


Tipp:

Dieses Machtinstrument ist weitaus bedeutender als es auf den ersten Blick erscheint. Machen Sie sich bewusst, welche Auswirkungen es haben kann, wenn Sie Informationen verbreiten oder auch vorenthalten.

6. Macht durch Beziehungen

Beziehungen und Kontakte innerhalb und außerhalb des Unternehmens sind ein Instrument, das Menschen Macht verleiht. Führungskräfte haben damit die Möglichkeit, auf Entscheidungsträger Einfluss zu nehmen. Gleichzeitig besitzen sie Zugang zu Informationen und Ressourcen, zu denen andere keinen Zugriff haben. Ein gutes Netzwerk gibt Menschen Macht und Einfluss.


Tipp:

Dieses Machtinstrument kann karriereentscheidend sein. Doch es hat auch Schattenseiten, derer man sich bewusst sein sollte. Seilschaften und Vetternwirtschaft zum Beispiel gehören dazu. 

7. Macht durch Persönlichkeit

Diese Macht basiert auf dem persönlichen Charakter eines Menschen. Die Führungskraft wird zur Identifikationsfigur und zum menschlichen Vorbild. Die Mitarbeitenden handeln im Sinne des Machthabenden, weil sie gerne für ihn arbeiten und sich mit ihm verbunden fühlen. Denken wir an Menschen wie Mahatma Gandhi oder Martin Luther King, die keine offizielle Macht hatten, jedoch durch die Kraft ihrer Persönlichkeit dennoch großen Einfluss hatten.


Bei der Macht durch Persönlichkeit geben Führungskräfte anderen Menschen Orientierung und dienen ihnen damit als Vorbild und Inspiration. Sie wirken als Mentoren und regen ihr Umfeld an, sich persönlich weiterzuentwickeln und an sich und die eigenen Fähigkeiten zu glauben.


Tipp:

Diese Macht kann Ihnen nicht von außen entzogen werden. Sie ist der Schlüssel zu einer modernen Führungskultur.


Macht und Führung: Gefahren und Risken von Macht

Zwischen dem Machtgebrauch und dem Machtmissbrauch liegt manchmal nur ein schmaler Pfad.


Von Machtmissbrauch spricht man, wenn eine Machtposition genutzt wird, um die Bemächtigten zu manipulieren, ihnen Schaden zuzufügen, sie zu schikanieren, zu benachteiligen oder um sich selbst persönliche Vorteile zu verschaffen.


Macht zu haben, kann Menschen verändern. Umgekehrt hat auch das Gefühl, machtlos zu sein, Einfluss auf die menschliche Psyche. Machtmissbrauch gab es zu jeder Zeit und in allen Arten von Gesellschaften. Keine Organisation ist vor Machtmissbrauch sicher. 

Macht und Führung: Wo liegt die Grenze zwischen Machtausübung und Machtmissbrauch?

Machtmissbrauch geschieht oft schleichend. Manche Machtmissbrauchenden handeln sogar in guter Absicht. Sie meinen es gut, doch gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. 


Häufig steckt hinter Machtmissbrauch die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Der Drang, die Dinge beherrschen oder bezwingen zu wollen, kann zu Machtmissbrauch führen. In diesen Situationen tun Menschen alles, um ihre vermeintlich gut gemeinten Ziele durchzusetzen. Dies kann mit Kleinigkeiten beginnen und schließlich zu immer rigoroseren Maßnahmen führen.


Daher ist es wichtig, die ersten, harmlos erscheinenden Anzeichen von fehlgeleiteter Macht frühzeitig zu entdecken, um pro-aktiv reagieren zu können und der Selbsttäuschung vorzubeugen.

Macht und Führung: Auf welche frühen Anzeichen von übermäßigem Machtgebrauch sollten Sie achten?

In der frühen Phase eines übermäßigen Machtgebrauchs sprechen wir noch nicht vom Machtmissbrauch. Dennoch scheint einiges nicht rundzulaufen. Dazu gehört oft der übermäßige Gebrauch von hierarchischer Macht. 


Dabei werden etwa bequeme Menschen, die der Führungskraft „nach dem Mund“ reden, bevorzugt und gefördert. Hingegen benachteiligt die Führungskraft unbequeme Mitarbeitende, nimmt sie nicht ernst oder kritisiert sie harsch. Dieses Verhalten sorgt für Unzufriedenheit und Demotivation. 

Macht und Führung: Was passiert, wenn sich ein übermäßiger Machtgebrauch verstärkt? 

Übermäßiger, destruktiver Machtgebrauch führt schnell zur Krise. Damit diese jedoch nicht offen zum Ausbruch kommt, greifen Machthabende mitunter zu immer drastischeren Mitteln: 

 

  • Kritik wird offen unterbunden.
  • Unbequeme Leute werden mundtot gemacht.
  • Die Mitarbeitenden antworten mit Resignation und Rückzug.
  • Die Leistungen des Teams sinken.
  • Die Krankheitsquote steigt und gute Leute verlassen das Unternehmen.
  • Es kommt zu „Geheimbünden“ hinter dem Rücken der Führungskraft.

Macht und Führung: Selbstreflexion bietet Schutz vor übermäßigem Machtgebrauch

Machtmissbrauch beginnt im Kleinen und kann sich verstärken und ausbreiten. Wachsamkeit und Regulative sind wichtig, um nicht in die Situation des Machtmissbrauchs hineinzurutschen.


Denn Macht bietet für die Führungskraft das Risiko, in einer „Bubble“ zu leben und daher „blinde Flecken“ zu bekommen und wichtige Fakten zu übersehen. Das verstärkt die selektive Wahrnehmung und führt dazu, dass Risiken falsch eingeschätzt und Chancen nicht erkannt werden. Macht kann „blind“ machen. 

Fragen zur Selbstreflexion 

  • Wie wird in meinem Unternehmen mit Macht in der Führung umgegangen?
  • Wie gehe ich persönlich mit Macht um?
  • Welche Instrumente der Macht setze ich besonders häufig ein?
  • Wie und in welchen Situationen nutze ich diese Instrumente?
  • Wer übt auf mich Macht aus? In welcher Weise geschieht das?
  • Sehe ich Anzeichen eines übermäßigen Machtgebrauchs bei mir oder in meinem Umfeld?
  • Wie gehe ich damit um? Welche alternativen Instrumente kann ich nutzen?

Fazit: Macht in der Führung

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